FWG-Kandidatenliste verabschiedet

In Zeiten, in denen vor allem auf kommunalpolitischer Ebene Parteien und Wählergruppen zum Teil große Nachwuchssorgen haben, lässt die Büdinger FWG aufhorchen. Unter den Top-Ten sind auf der Kandidatenliste zur Kommunalwahl am 6. März 2016 gleich fünf neue Namen zu finden. Das Pikante: Zu den Hoffnungsträgern gehört Thomas Appel. Das langjährige CDU-Mitglied hatte sich im Wahlkampf nicht für Benjamin Harris (CDU), sondern den politischen Widersacher, Bürgermeister Erich Spamer (FWG), engagiert. Die logische Konsequenz: Der 44-Jährige ist jetzt aus der Partei ausgetreten und hat sich den Freien Wählern angeschlossen. „Ich konnte den Weg der CDU nicht mehr mitgehen. Unsere Auffassungen, wohin es mit der Stadt gehen soll, waren derart gegensätzlich, dass es für mich keine Alternative mehr gab.“

Thomas Appel ist in Büdingen kein unbeschriebenes Blatt. Viele kennen ihn als Vorsitzenden des Handballclubs 1968. Eine politische Vergangenheit hat er ebenfalls. Im nächsten Jahr wäre der Mann, der bei einem Büdinger Unternehmen die Dispositionsleitung inne hat, 25 Jahre Mitglied der CDU gewesen. Seine ersten politischen Erfahrungen sammelte er in der Jungen Union (JU). 1991/92 war Appel Vorsitzender des JU-Stadtverbands. Für die Christdemokraten saß er von 1993 bis 1996 und später noch einmal in den Jahren 2002 bis 2004 in der Stadtverordnetenversammlung. Ihm sei der Schritt, die CDU zu verlassen, nicht leicht gefallen. Im Gespräch mit dem Kreis-Anzeiger sagt er: „Ich habe lange nachgedacht, wo ich in Büdingen Politik machen und wo ich an der Stadtgestaltung und -entwicklung mitwirken kann. Da ist mir inzwischen die FWG viel näher als die CDU.“ Mit Blick auf Bundes- und Landespolitik würde er sich dennoch in der Union wiederfinden.

Hinter den Kulissen kam Appels Flirt mit den Freien Wählern nie gut an. Vor allem, als sich in diesem Jahr aus der zwanglosen Liebelei etwas Festes entwickelte. Entgegen der Meinung der CDU hatte sich Thomas Appel vor zwei Jahren an der Seite der FWG für die Verlegung des Sportplatzes auf den Dohlberg starkgemacht. Später engagierte er sich für den Bau einer Downhill-Strecke – ebenfalls im Verbund mit den Freien Wählern. Im Bürgermeisterwahlkampf stellte sich der Büdinger dann hinter Amtsinhaber Erich Spamer und damit gegen den Mann aus den eigenen Reihen. „Er hätte beizeiten klare Fronten schaffen müssen. Das war alles, nur nicht ehrlich“, äußert sich Robert Preußer, Fraktionsovorsitzender der CDU, zu Appels Verhalten. Er sei vor allem auch deshalb sehr enttäuscht von ihm, weil er mit Appel immer prima ausgekommen sei. „Ein feiner Mensch“, so Preußer, „der dann aber aus politischer Sicht keine klare Kante gezeigt hat“.

Die neue Kandidatenliste der FWG aber allein an der Personalie Thomas Appel festzumachen, würde dem Vorschlag, über den die Wähler im nächsten Jahr zu entscheiden haben, nicht gerecht werden. „In unseren Reihen ist Aufbruchstimmung zu spüren“, sagt Christian Schaffrath am Donnerstag. Der Apotheker, der seit Frühjahr des vergangenen Jahres Vorsitzender der FWG ist, steht auf Platz drei der Liste. Der 31-Jährige würde gerne in der Büdinger Stadtverordnetenversammlung mitarbeiten. Er gehört den Freien Wählern erst seit 2013 an, ist also noch ein Newcomer. „Die Altstadtsanierung oder die Fortsetzung des Modellprojekts ,Familienstadt mit Zukunft‘ sind Themen, die viel zu wichtig für die Stadt sind, als dass man sich da nicht einmischen wollte“, meint Schaffrath.

Ein ähnliches Profil weist der zehn Jahre ältere Peter Wiedenhöfer auf. Der Grundschullehrer ist stellvertretender Vorsitzender und findet sich auf Platz acht wieder. Zu den Neuen gehören auch Peggy Wolf (6. Platz) und Sabine Dönges (9). Die FWG könne sich laut Schaffrath Wolf, die als Prokuristin arbeitet, gut im Haupt- und Finanzauschuss vorstellen, während sich Dönges nicht zuletzt aufgrund ihrer Tätigkeit im Schulelternbeirat dem Thema Familien annehmen könne. „Das ist aber alles noch Zukunftsmusik. Wir sind jedenfalls froh, den Wählern ein gutes Angebot machen zu können“, sagt der FWG-Vorsitzende.

Zu diesem Angebot gehören auch bewährte Kräfte wie Sabine Kraft-Marhenke, Fraktionsvorsitzender Ulrich Majunke und Tim Strehm. Auf die Frage, wer in der nächsten Legislaturperiode möglicherweise für die Freien Wähler im Magistrats mitarbeiten möchte, nennt Christian Schaffrath Reiner Marhenke. „Noch ist nichts fix, aber abgeneigt ist er nicht.“ Der Kaufmann vertritt die FWG seit 2006 im Stadtrat.


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